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Bettermann Immobilien
Hausmodell, Schlüssel und Unterlagen als Illustration zu Immobiliensteuern

Steuern bei Immobilien in Hessen

Lesezeit wird berechnet... · Geprüft: 12. August 2026
Stephan Bettermann

Stephan Bettermann

Immobilienmakler seit 2005 | Flörsheim & Trebur

Geprüft: 12. August 2026

Grunderwerbsteuer in Hessen – 6 % auf fast alles

Hessen verlangt 6,0 % Grunderwerbsteuer. Damit gehört Hessen zu den teuersten Bundesländern – nur Brandenburg, Schleswig-Holstein, NRW und das Saarland liegen mit 6,5 % darüber. Bayern (3,5 %) und Sachsen (5,5 %) sind deutlich günstiger.

Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro sind das 24.000 Euro. Fällig wenige Wochen nach der Beurkundung beim Notar. Ohne Zahlung keine Eigentumsumschreibung im Grundbuch.

Was viele nicht wissen: Die Grunderwerbsteuer berechnet sich auf die Gegenleistung – und die lässt sich beeinflussen.

Zubehör aus dem Kaufpreis herausrechnen

Nicht alles, was mitverkauft wird, ist ein Grundstücksbestandteil. Zubehör wie Einbauküche, Markise, Sauna, Gartenhaus oder Kaminofen gehört nicht zum Gebäude. Wird es im Kaufvertrag separat ausgewiesen, fällt darauf keine Grunderwerbsteuer an.

Rechenbeispiel:

Position Betrag
Kaufpreis Haus420.000 EUR
Davon Zubehör (Einbauküche, Markise, Sauna)- 18.000 EUR
Bemessungsgrundlage Grunderwerbsteuer402.000 EUR
Grunderwerbsteuer 6 %24.120 EUR
Ohne Zubehör-Abzug wäre es25.200 EUR
Ersparnis1.080 EUR

Wie hoch ein abziehbarer Zeitwert tatsächlich ist, hängt vom konkreten Zubehör, Alter, Zustand und belastbaren Nachweisen ab.

Wichtig: Die Werte müssen realistisch sein. Das Finanzamt akzeptiert keine überzogenen Zubehörwerte. Eine 20 Jahre alte Küche für 20.000 Euro anzusetzen funktioniert nicht. Zeitwerte dokumentieren, am besten mit Kaufbelegen.

Instandhaltungsrücklage bei Eigentumswohnungen

Beim Kauf einer Eigentumswohnung geht ein Teil des Kaufpreises auf die bestehende Instandhaltungsrücklage über. Dieses Geld gehört der WEG-Gemeinschaft – nicht dem Verkäufer. Trotzdem berechnen Finanzämter die Grunderwerbsteuer häufig auf den vollen Kaufpreis.

Lange wurde der Anteil der Instandhaltungsrücklage von der Grunderwerbsteuer abgezogen. Seit dem BFH-Urteil vom 16. September 2020 (II R 49/17) ist das nicht mehr möglich: Die Erhaltungsrücklage mindert die grunderwerbsteuerliche Bemessungsgrundlage nicht. Steuerlich abziehbar bleibt aber mitverkauftes bewegliches Zubehör wie eine Einbauküche, sofern es im Kaufvertrag gesondert und werthaltig ausgewiesen ist.

Rechenbeispiel Eigentumswohnung:

Position Betrag
Kaufpreis280.000 EUR
Zubehör (Einbauküche), separat ausgewiesen- 6.000 EUR
Bemessungsgrundlage274.000 EUR
Grunderwerbsteuer 6 %16.440 EUR
Ohne Abzug16.800 EUR
Ersparnis360 EUR

Voraussetzung: Das mitverkaufte Zubehör muss im Kaufvertrag gesondert ausgewiesen und werthaltig sein. Überzogene Ansätze erkennt das Finanzamt nicht an. Den Stand der Instandhaltungsrücklage gibt die WEG-Verwaltung auf Anfrage heraus - für die Grunderwerbsteuer ist er seit 2020 aber nicht mehr abzugsfähig.

Neubau im Bau mit Gerüst, Einfamilienhaus im Rohbau in der Rhein-Main-Region

Neubau – einheitlicher Erwerbsgegenstand prüfen

Ob beim Erwerb eines Grundstücks mit anschließendem Bau nur der Grundstückskaufpreis oder auch Baukosten zur grunderwerbsteuerlichen Bemessungsgrundlage gehören, entscheidet sich nach einer Gesamtwürdigung. Maßgeblich ist insbesondere, ob zwischen Grundstückskauf und Bauleistung ein objektiv sachlicher Zusammenhang besteht. Verschiedene Vertragspartner oder unterschiedliche Unterschriftstage schließen einen einheitlichen Erwerbsgegenstand nicht automatisch aus.

Die Gestaltung kann erhebliche Steuerfolgen haben und sollte vor Abschluss der Verträge individuell steuerlich und rechtlich geprüft werden. Eine pauschale „Ersparnis“ lässt sich aus getrennten Verträgen nicht ableiten.

Vermietung – Steuern sparen mit der AfA

Wer eine Immobilie vermietet, kann die Anschaffungskosten steuerlich abschreiben. Das nennt sich Absetzung für Abnutzung (AfA) und mindert die Steuerlast auf die Mieteinnahmen.

Die Sätze:

  • Gebäude vor 1925 errichtet: 2,5 % pro Jahr über 40 Jahre
  • Gebäude ab 1925: 2 % pro Jahr über 50 Jahre
  • Neubau ab 2023 (Fertigstellung): 3 % pro Jahr über 33 Jahre
  • Denkmal-AfA: bis zu 9 % in den ersten 8 Jahren + 7 % in den folgenden 4 Jahren (nur Sanierungskosten)

Rechenbeispiel Vermietung:

Kauf einer Eigentumswohnung in Flörsheim für 280.000 Euro. Baujahr 1985. Grundstücksanteil laut Kaufvertrag: 60.000 Euro.

Position Betrag
Kaufpreis280.000 EUR
Abzug Grundstücksanteil (nicht abschreibbar)- 60.000 EUR
AfA-Bemessungsgrundlage (Gebäude)220.000 EUR
AfA 2 % pro Jahr4.400 EUR
Steuersatz 35 % - jährliche Steuerersparnis1.540 EUR

Über 50 Jahre sind das 77.000 Euro Steuerersparnis. In der Praxis halten die wenigsten eine Immobilie so lange – aber selbst über 15 Jahre sind es 23.100 Euro.

Nebenkosten nicht vergessen: Notar, Makler und Grunderwerbsteuer können anteilig zur AfA-Bemessungsgrundlage dazugerechnet werden. Das erhöht die jährliche Abschreibung.

Hände prüfen Finanzdokument mit deutschen Steuerformularen auf dunklem Holzschreibtisch

Werbungskosten bei Vermietung

Neben der AfA können Vermieter alle Kosten absetzen, die mit der Vermietung zusammenhängen:

  • Darlehenszinsen (nicht die Tilgung)
  • Hausverwaltung
  • Grundsteuer
  • Versicherungen
  • Reparaturen und Instandhaltung
  • Fahrtkosten zur Immobilie
  • Leerstandskosten (bei ernsthafter Vermietungsabsicht)

Achtung bei Modernisierung: Übersteigen Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung ohne Umsatzsteuer 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes, können anschaffungsnahe Herstellungskosten vorliegen. Erweiterungen und jährlich übliche Erhaltungsarbeiten sind nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG ausgenommen. Die Einordnung sollte steuerlich geprüft werden.

Grundsteuer – die laufende Belastung

Seit der Grundsteuerreform (Stichtag 1. Januar 2022, Umsetzung ab 2025) gelten in Hessen neue Berechnungsgrundlagen. Das Hessische Flächenmodell basiert – anders als das Bundesmodell – primär auf der Grundstücks- und Gebäudefläche, nicht auf dem Wert.

Was Eigentümer wissen müssen:

  • Die Grundsteuer ist eine jährliche Steuer, die an die Kommune geht
  • Vermieter können sie auf Mieter umlegen (Nebenkostenabrechnung)
  • Die Hebesätze legt jede Gemeinde selbst fest

Kommunale Hebesätze nicht aus Vergleichstabellen übernehmen: Hebesätze können durch Haushalts- oder Hebesatzsatzungen geändert werden. Für eine Kaufentscheidung sind der aktuelle Grundsteuerbescheid des Objekts und der für das betreffende Jahr veröffentlichte Beschluss der Gemeinde maßgeblich. Deshalb wird hier keine eigene kommunale Wertetabelle geführt.

Wer eine Immobilie kauft, sollte die jährliche Grundsteuer vorher kennen. Die Höhe steht im letzten Grundsteuerbescheid – den der Verkäufer vorlegen sollte. Bei vermieteten Objekten wird die Grundsteuer über die Betriebskostenabrechnung auf den Mieter umgelegt.

Stephan Bettermann

Stephan Bettermann

Immobilienmakler seit 2005 im Rhein-Main-Gebiet. Persönliche Betreuung durch Stephan Bettermann.

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Häufige Fragen

Wann muss ich Grunderwerbsteuer zahlen?
Nach der notariellen Beurkundung erhält das Finanzamt eine Mitteilung. Bearbeitungsdauer und Zahlungsfrist ergeben sich aus dem konkreten Bescheid. Nach Erfüllung der steuerlichen Voraussetzungen stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, die regelmäßig für die Eigentumsumschreibung benötigt wird.
Kann ich die Grunderwerbsteuer steuerlich absetzen?
Bei Eigennutzung ist die Grunderwerbsteuer grundsätzlich nicht als Werbungskosten abziehbar. Bei vermieteter oder betrieblicher Nutzung gehört sie regelmäßig zu den Anschaffungsnebenkosten und ist dem Gebäude sowie Grund und Boden zuzuordnen; der Gebäudeanteil wirkt grundsätzlich über die AfA, der Bodenanteil ist nicht abschreibbar. Ein pauschaler Sofortabzug besteht nicht.
Zahle ich als Erbe Grunderwerbsteuer?
Nein. Erbschaft und Schenkung sind von der Grunderwerbsteuer befreit. Es fällt aber Erbschaftsteuer an, wenn der Freibetrag überschritten wird (Ehepartner: 500.000 EUR, Kinder: 400.000 EUR). Wird die Immobilie später innerhalb der Erbengemeinschaft übertragen, kann Grunderwerbsteuer anfallen.
Lohnt sich eine Immobilie steuerlich?
Nur bei Vermietung und nur als ein Baustein. Wer eine Immobilie ausschließlich wegen der Steuerersparnis kauft, rechnet falsch. Die AfA und Werbungskosten mindern die Steuerlast, aber sie machen aus einer schlechten Immobilie keine gute.
Was ändert sich 2026 steuerlich bei Immobilien?
Die Grundsteuer wird seit 2025 nach dem reformierten Recht erhoben. In Hessen fließen neben Flächen auch der gesetzliche Faktor und der kommunale Hebesatz ein; für die konkrete Belastung sind deshalb der aktuelle Bescheid und die Angaben der Gemeinde maßgeblich. Bei vermieteten Gebäuden kommen je nach Fertigstellungszeitpunkt grundsätzlich lineare AfA von 2,5 % bei Fertigstellung vor 1925, 2 % bei Fertigstellung von 1925 bis 2022 oder 3 % bei Fertigstellung ab 2023 in Betracht. Degressive oder besondere Abschreibungen setzen zusätzliche gesetzliche Voraussetzungen voraus und gehören in die Steuerberatung.

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Stephan Bettermann ersetzt keinen Steuerberater – aber er kennt die Stellschrauben, die beim Kauf oder Verkauf im Rhein-Main-Gebiet relevant sind.