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Entscheidung: Vermieten oder verkaufen – zwei Wege für Immobilieneigentümer

Vermieten oder verkaufen – was im Einzelfall passt

Lesezeit wird berechnet... · Geprüft: 12. August 2026
Stephan Bettermann

Stephan Bettermann

Immobilienmakler seit 2005 | Flörsheim & Trebur

Geprüft: 12. August 2026

Entscheidung vorbereiten

Verkauf und Vermietung vollständig vergleichen

Ein belastbarer Zehnjahresvergleich braucht Finanzierungsverlauf, Steuerdaten und dieselben Kostenannahmen in beiden Szenarien. Die frühere vereinfachte Automatik ist deshalb deaktiviert.

Verkaufsszenario
Nettoerlös nach Restschuld, tatsächlichen Verkaufskosten und möglicher Steuer; anschließend Anlagekosten, Risiko und Steuern berücksichtigen.

Vermietungsszenario
Miete, Leerstand, nicht umlagefähige Kosten, Instandhaltung, Verwaltung, Finanzierung, AfA-Basis und persönliche Steuerwirkung erfassen.

Verkauf in der Zukunft
Restschuldverlauf, spätere Verkaufskosten und die dann geltende steuerliche Situation einrechnen.

Szenarien statt Prognose
Mit fallenden, gleichbleibenden und steigenden Mieten beziehungsweise Immobilienwerten rechnen.

Die Rechnung, die häufig zu kurz greift

„1.200 Euro Miete im Monat, das sind 14.400 Euro im Jahr – natürlich vermieten.“

So rechnen viele Eigentümer. Die Realität sieht anders aus. Von der Kaltmiete gehen ab:

Position Jährlicher Abzug
Nicht umlegbare Nebenkosten (Verwaltung, Hausgeld-Anteil) 600 – 1.800 €
Instandhaltungsrücklage (1 % des Gebäudewerts) 2.000 – 4.000 €
Mietausfallrisiko (1 Monat alle 5 Jahre) 240 €
Steuern auf Mieteinnahmen (abzgl. AfA und Werbungskosten) variiert
Unvorhergesehene Reparaturen (Heizung, Dach, Fenster) 500 – 3.000 €

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Trebur:
Marktwert: 400.000 €. Kaltmiete: 1.300 €/Monat = 15.600 €/Jahr.
Abzüge (konservativ): 5.500 €/Jahr.
Nettoertrag: 10.100 €/Jahr.
Nettomietrendite: 2,5 %.

Für einen fairen Vergleich müssen bei einer alternativen Geldanlage Laufzeit, Risiko, Kosten und Steuern mit denselben Annahmen angesetzt werden. Ein pauschaler aktueller Zinssatz wäre dafür nicht ausreichend.

Eine mögliche Wertveränderung kann das Ergebnis stark beeinflussen, ist aber unsicher. Für die Entscheidung sollten mehrere Szenarien gerechnet werden – einschließlich stagnierender oder fallender Werte sowie späterer Verkaufs-, Finanzierungs- und Steuerkosten.

Was für den Verkauf spricht

Sofortige Liquidität. 400.000 Euro auf dem Konto statt 10.000 Euro pro Jahr. Wer das Geld braucht – für eine neue Immobilie, die Ablösung eines Kredits, die Pflege der Eltern – für den ist Verkauf die klare Antwort.

Keine Vermieterrisiken. Kein Mietausfall, keine Räumungsklagen, keine Rückrufe wegen tropfender Rohre am Sonntagmorgen. Vermietung ist kein passives Einkommen – es ist ein Zweitjob.

Steuerfreier Gewinn nach 10 Jahren. Wer die Immobilie länger als 10 Jahre besitzt oder selbst darin gewohnt hat (im Verkaufsjahr und den zwei Jahren davor), zahlt keine Spekulationssteuer.

Hoher Instandhaltungsbedarf. Wenn in den nächsten 5 Jahren Heizung, Dach und Fenster fällig werden, schmälern die Kosten die Mietrendite dramatisch. 60.000 Euro Sanierung bei 10.000 Euro Nettoertrag pro Jahr – das sind sechs Jahre ohne Rendite.

Entfernung. Eine Immobilie in Flörsheim verwalten, wenn man in München lebt? Möglich, aber aufwendig. Hausverwaltung kostet Geld, persönliche Kontrolle fehlt.

Was für das Vermieten spricht

Laufende Einnahmen. Vermietung kann regelmäßige Einnahmen erzeugen. Ob und in welchem Umfang die Miete künftig angepasst werden kann, hängt von Mietvertrag, Vergleichsmiete, gesetzlichen Grenzen, Modernisierung und Marktentwicklung ab.

Mögliche Wertentwicklung. Eine gehaltene Immobilie kann im Wert steigen oder fallen. Für die Entscheidung sollten deshalb mehrere Szenarien mit Instandhaltung, Leerstand, Finanzierung, Steuern und einem vorsichtigen Restwert gerechnet werden; eine bestimmte Entwicklung lässt sich nicht versprechen.

Steuerliche Wirkung. Bei vermieteten Gebäuden kommen je nach Fertigstellungszeitpunkt insbesondere lineare AfA von 2,5 % bei Fertigstellung vor 1925, 2 % bei Fertigstellung von 1925 bis 2022 oder 3 % bei Fertigstellung ab 2023 in Betracht. Bemessungsgrundlage ist grundsätzlich der auf das Gebäude entfallende Anteil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, nicht der aktuelle Marktwert. Zinsen und weitere Werbungskosten können unter den gesetzlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden. Die konkrete Einordnung gehört in die Steuerberatung.

Inflationsschutz. Immobilien und Mieten steigen tendenziell mit der Inflation. Geld auf dem Konto nicht.

Familienvermögen. Wer die Immobilie an die nächste Generation weitergeben will, behält sie. Stein bleibt, Geld geht.

Entscheidungsmatrix: Vermieten vs. Verkaufen – Vergleich der Kriterien

Drei Szenarien – durchgerechnet

Keine graue Theorie. Drei Situationen aus dem Alltag.

Szenario 1: Sie sind 45 und erben ein Haus in Flörsheim

Das Haus Ihrer Eltern, abbezahlt, Baujahr 1985, solider Zustand. Marktwert: 420.000 €. Potenzielle Kaltmiete: 1.350 €/Monat.

Vermieten: 16.200 € Bruttomiete abzüglich ca. 5.800 € Kosten = 10.400 € Nettoertrag pro Jahr. Rendite: 2,5 %. Plus Wertsteigerung. In 20 Jahren haben Sie rund 208.000 € Mieteinnahmen kassiert und ein Haus das vielleicht 550.000 € wert ist.

Verkaufen: 420.000 € sofort. Abzüglich Maklerprovision (ca. 15.000 €) und Nebenkosten bleiben rund 400.000 €. Angelegt zu 3,5 % werden daraus in 20 Jahren rund 790.000 €.

Einordnung: Aus dem vereinfachten Beispiel lässt sich keine allgemeine Entscheidung ableiten. Das Ergebnis ändert sich mit Verkaufskosten, Finanzierung, Steuerwirkung, Instandhaltung, Mietentwicklung und späterem Immobilienwert.

Szenario 2: Sie sind 65, das Haus ist zu groß, die Kinder sind ausgezogen

Einfamilienhaus in Trebur, Baujahr 1978, Marktwert 380.000 €. Heizung muss in 3 Jahren getauscht werden (ca. 25.000 €), Fenster in 5 Jahren (ca. 20.000 €).

Vermieten: Die Sanierungskosten fressen die Mieteinnahmen der ersten 4 bis 5 Jahre. Dazu die Frage: Wollen Sie mit 70 Vermieter sein?

Verkaufen: 380.000 € erlösen, in eine barrierefreie Wohnung ziehen, den Rest anlegen. Kein Instandhaltungsrisiko, kein Mieterstress, mehr Liquidität fürs Alter.

Ergebnis: Verkaufen. Die Kombination aus Sanierungsbedarf, Alter und fehlendem Vermietungsinteresse macht die Rechnung eindeutig.

Szenario 3: Sie haben eine vermietete Eigentumswohnung und überlegen

ETW in Flörsheim, 68 m², Kaltmiete 680 €, Marktwert 210.000 €. Guter Mieter seit 6 Jahren. Hausgeld 220 €/Monat, davon 150 € umlegbar.

Vermieten: 8.160 € Bruttomiete, abzüglich 840 € nicht umlegbares Hausgeld und ca. 1.500 € Rücklage/Reparaturen = 5.820 € Nettoertrag. Rendite: 2,8 %. Kein Sanierungsstau, zuverlässiger Mieter, WEG-Verwaltung kümmert sich.

Verkaufen: 210.000 € Marktwert. Aber vermietet an einen guten Mieter unter Marktmiete – realistischer Verkaufspreis an Kapitalanleger: 185.000 – 195.000 €.

Ergebnis: Behalten. Die laufende Rendite ist ordentlich, der Mieter ist zuverlässig, und der Verkauf bringt weniger als den Marktwert einer leeren Wohnung. Verkauf lohnt sich hier erst, wenn Sie das Geld akut brauchen oder der Mieter auszieht.

Immobilienberatung bei Bettermann: Zahlen und Optionen gemeinsam durchrechnen

Die Entscheidungsmatrix

Vergeben Sie für jeden Punkt eine Bewertung. Mehr Punkte auf einer Seite zeigen die Richtung.

Kriterium Eher verkaufen Eher vermieten
Ich brauche das Geld in den nächsten 2 Jahren Ja Nein
Die Immobilie braucht Sanierung über 30.000 € Ja Nein
Ich wohne mehr als 100 km entfernt Ja Nein
Die Nettomietrendite liegt über 3,5 % Nein Ja
Ich habe einen zuverlässigen Mieter Nein Ja
Die Lage ist langfristig gefragt (S-Bahn-Nähe, Rhein-Main) Nein Ja
Ich bin über 60 und will keinen Verwaltungsaufwand Ja Nein
Die Immobilie ist seit über 10 Jahren in meinem Besitz Neutral Neutral
Ich habe keinen anderen Vermögensaufbau Nein Ja
Es gibt Streit unter Miteigentümern (Erben, Scheidung) Ja Nein

Ihre Zahlen, Ihre Entscheidung

Stephan Bettermann ordnet die immobilienbezogenen Annahmen für Ihr Objekt ein. Finanzierung und Steuern sollten mit den jeweils qualifizierten Beratern ergänzt werden.

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Stephan Bettermann

Immobilienmakler seit 2005 im Rhein-Main-Gebiet. Persönliche Betreuung durch Stephan Bettermann.

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Häufige Fragen

Lohnt sich Vermieten noch bei den aktuellen Zinsen?
Die Zinsen beeinflussen die Rechnung nur, wenn Sie die Immobilie finanziert haben. Bei einer abbezahlten Immobilie sind die Zinsen egal – dann zählt die Nettomietrendite im Vergleich zu alternativen Anlagen. Bei 2,5 % Nettomietrendite und 3,5 % Festgeldzins muss die erwartete Wertsteigerung die Differenz ausgleichen.
Muss ich Steuern zahlen, wenn ich vermiete?
Ja. Mieteinnahmen sind einkommensteuerpflichtig. Sie können aber Abschreibung, Zinsen, Instandhaltung, Verwaltungskosten und weitere Werbungskosten gegenrechnen. In vielen Fällen reduziert das die Steuerlast erheblich – besonders bei finanzierten Objekten.
Kann ich später immer noch verkaufen?
Ja. Ob und wie stark ein bestehendes Mietverhältnis den erzielbaren Preis beeinflusst, hängt jedoch von Miethöhe, Vertragslage, Objekt, Käufergruppe und Markt ab. Eine pauschale Prozentangabe wäre unseriös. Vor einem späteren Verkauf sollte deshalb der dann aktuelle Wert im vermieteten Zustand ermittelt und die rechtliche Situation des Mietverhältnisses geprüft werden.
Was, wenn ich mich nicht entscheiden kann?
Dann fehlen Ihnen Zahlen, keine Meinung. Lassen Sie den Marktwert ermitteln, rechnen Sie die Nettomietrendite ehrlich durch (mit allen Kosten, nicht nur Kaltmiete minus Hausgeld) und vergleichen Sie mit Ihren Alternativen. Die Entscheidung wird dann meistens klar.
Kann ich ein Haus teilweise vermieten und teilweise selbst nutzen?
Ja – Einliegerwohnung, Souterrainwohnung, separate Etage. Das bringt Mieteinnahmen und Sie behalten die Kontrolle. Steuerlich müssen Sie den vermieteten Teil separat abrechnen. Im Rhein-Main-Gebiet sind Häuser mit Einliegerwohnung sehr gefragt.

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Stephan Bettermann rechnet
beide Optionen durch

Objektbezogene Annahmen transparent einordnen und mit Finanzierungs- sowie Steuerberatung vervollständigen.